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Störche fliegen auf Büttelborn

(Groß-Gerauer Echo 22.07.2010)

Störche fliegen auf Büttelborn

Natur: In der Gemeinde wachsen mehr als 20 Jungtiere auf - Niederschläge im Frühjahr führen zu besten Lebensbedingungen


BÜTTELBORN/WORFELDEN.

Derzeit sieht man sie überall in der Großgemeinde, die schwarz-weiß gefiederten Störche, die gemächlich ihre Kreise ziehen und sich zuweilen in großen Gruppen auf Feldern und Wiesen niederlassen. "Büttelborn ist mit neun Storchenbrutpaaren die Storchengemeinde im Kreis", berichtet Matthias Werner von der Büttelborner Gruppe des Naturschutzbunds (NABU) auf ECHO-Nachfrage. Nur Trebur weise einen ähnlich hohen Bestand auf.

Die Großvögel finden auf den Bruchwiesen in Büttelborn in diesem Jahr ideale Bedingungen zur Brutpflege vor. Auch in der Worfelder Gemarkung gibt es dieses Jahr erstmals zwei Brutpaare. Die Bruchwiesen, die 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden, jedoch schon seit 1987 naturnah bewirtschaftet werden, hätten sich in dieser Zeit positiv entwickelt und seien nun in einem sehr guten Zustand. Matthias Werner spricht sogar von einem "Zentrum der Biodiversität", das nicht nur den Störchen ideale Lebensbedingungen bietet, sondern auch anderen, inzwischen sehr selten gewordenen Vogelarten wie etwa dem Wachtelkönig.

Allein im südlichen Teil hätten sich innerhalb von einer Woche vier Storchenpaare auf Pappeln häuslich eingerichtet. Ein Paar baute sein Nest sogar auf einem abgebrochenen Ast, der nach einem heftigen Sturm auf eine andere Pappel stürzte. "Es ist toll, wenn die Störche natürliche Strukturen annehmen", ist Matthias Werner begeistert.

Die Nabu-Ortsgruppe habe im Norden der Bruchwiesen, nahe der Tennisplätze, ein weiteres Nest auf einem Mast aufgestellt, das binnen einer Stunde besetzt gewesen sei. Da der Mast jedoch spät aufgestellt wurde, war dem Storchenpaar kein Nachwuchs mehr vergönnt. Der Bruterfolg sei im ersten Jahr eines Nestes aber generell schwierig, so Werner.

Hingegen waren die "Pappelbrüter" und die Störche in den länger bestehenden Masten-Nestern mit einmal fünf Jungen, vier Mal vier und einmal drei Jungen überdurchschnittlich erfolgreich. Allerdings kamen bei einem Gewitter drei Jungvögel ums Leben. Dennoch wachsen allein in den Bruchwiesen 24 Jungstörche auf, die man gut an ihren noch dunklen Schnäbeln erkennen kann.

Durchschnittlich ziehen Störche laut Werner nur zwei Jungvögel groß. Begünstigt wurde die Aufzucht durch das diesjährige Klima. Der Regen im Frühjahr sorgte für einen hohen Grundwasserstand, was zu einer hohen Regenwurmpopulation führte. Die Würmer seien neben Fröschen, Mäusen, Schnecken, Insekten und Aas die Storchen-Leibspeise. Störche erleichtern sich über eine "Signalkette" gegenseitig die Futtersuche. Kreist ein Storch über Nahrung, locke dies die Artgenossen an, erklärt Werner.

Obwohl Störche bei begrenztem Nahrungsangebot keine weiteren Artgenossen in der Nähe dulden, habe es nur zu Brutbeginn Kämpfe um die Nistplätze gegeben, dann hätten sie sich in enger Nachbarschaft toleriert. Als erstaunlich bezeichnet der Ornithologe auch, dass es in Büttelborn Ansammlungen von mehreren Dutzend Störchen gebe, die ihrer Beringung nach noch nicht geschlechtsreif sind.

Es sei ungewöhnlich, dass die Jungtiere im ersten Jahr wieder zurück in ihre Brutgebiete kommen, denn in der Regel bleiben sie in der Jugend noch in südlicheren Gegenden.

Schon beinahe flügge ist auch der Storchen-Nachwuchs am Brutplatz auf dem Gelände des zwischen Worfelden und Schneppenhausen gelegenen Feuchtbiotops "Atzelwiese". Wie Stefan Dorschner von der NABU-Gruppe Worfelden mitteilt, sitzen auf dem Nest drei Jungvögel. Der Brutplatz wurde 1997 von der NABU-Gruppe aufgestellt und ist seit zwölf Jahren jährlich belegt.

Insgesamt, informiert Dorschner, erblickten dort bereits 35 Jungstörche das Licht der Welt. Erstmals in diesem Jahr brütete sogar noch ein weiteres Storchenpaar auf Worfelder Gemarkung: Nachdem unter Mithilfe des NABU-Kreisverbandes 2007 auf dem Feldgrundstück des Klein-Gerauers Manfred Eckert südwestlich von Worfelden eine weitere Brutmöglichkeit geschaffen wurde, wurde diese im Frühjahr von einem Storchenpaar bezogen, das einen Jungvogel aufzieht.


(Marvi Mensch)

22.07.2010. 16:47

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