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Pfarrgarten als ökologisches Kleinod

Natur - Teilnehmer am Kindergottesdienst-Aktionstag entdecken hinter dem Worfelder Pfarrhaus sogar seltene Orchidee

Im Pfarrgarten der evangelischen Kirche Worfelden grünt und blüht es dieses Jahr besonders intensiv. Neben alten Obstsorten entdeckten die Kindergottesdienstkinder dort bei einem Ausflug auch die seltene Bocks-Riemenzunge.

"Lass es mal wachsen", sagte sich Richard Luh, als er vor zwölf Jahren seine Pfarrstelle in Worfelden antrat und hinter dem imposanten Pfarrhaus eine ebenso beeindruckend große Grasfläche vorfand. Schon als Kind hat Luh auf dem elterlichen Grundstück bemerkt, dass sich dort, wo der Boden nicht dauernd bearbeitet wird, Flora und Fauna ansiedelt, die sonst verdrängt würde. Er nahm sich daher vor, den Pfarrgarten in eine Streuobstwiese umzuwandeln.
2004 pflanzten Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins, des NABU-Ortsvereins und des Kirchenvorstands neun Hochstamm-Obstbäume alter, bewährter Sorten. Auch ein Sandsteinhügel wurde angelegt, der inzwischen oft von Insekten, Eidechsen oder Amphibien als Nahrungs-, Versteck- und Überwinterungsplatz genutzt wird. Seit zehn Jahren werden im Pfarrgarten weder Pestizide noch Dünger ausgebracht und das Gras nur noch wenige Male im Jahr gemäht. In den vergangenen Jahren gab es gute Erträge bei den Äpfeln der Sorte "Kaiser Wilhelm", die Richard Luh an die Kindergartenkinder verteilte oder zum Erntedank vor den Altar legte.
Nun lauschten die Teilnehmer der Kindergottesdienst-Aktionstage unter dem Motto "Worfelden mit allen Sinnen erfahren" zusammen mit dem Naturschutzbund nicht nur Vogelstimmen, sondern entdeckten im Pfarrgarten sogar eine vom Aussterben bedrohte Pflanze. Die NABU-Experten Stefanie Stüber und Harald Lutz machten die etwa 15 Kinder auf die Bocks-Riemenzunge aufmerksam, eine sehr stark nach Ziegenbock duftende Orchideenart, die Magerrasen bevorzugt und bereits 1999 zur "Orchidee des Jahres" gewählt wurde.
Seit vier Jahren ist die Pflanze im Pfarrgarten heimisch, hat aber seit zwei Jahren nicht mehr geblüht. "Manche Leute sagen ja, der Garten sieht ungepflegt aus", weiß Pfarrer Richard Luh. Für ihn gelten freilich andere Kriterien als ein akkurater Rasenschnitt. Als Pendant zur ausgeräumten Landschaft möchte er ein Refugium schaffen und dies auch den Kindern vermitteln.
"Heruntergefallene Äpfel bleiben im Gras liegen als Nahrung für Tiere", erklärt er. Um noch weiteren Tieren Unterschlupf zu bieten, will der NABU demnächst entlang der Gartenmauer noch eine Hecke anlegen. Im Vorgarten deutet Luh auf einen mächtigen Ahornbaum, der neben einfarbig grünen auch Blätter mit weißen Rändern trägt.
Nachdem die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins aus Altersgründen die Obstbäume nicht mehr pflegen können, hat dies Forstwirt Karl Kohl aus der Nachbarschaft übernommen. "Im Laufe der vergangenen zehn Jahre ist die "Streuobstwiese Pfarrgarten" zu einem ökologischen Kleinod geworden, das seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bietet", freut sich Richard Luh über die Entwicklung.

(Groß-Gerauer Echo, 22. Mai 2014)

22.05.2014. 13:49

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