Startseite · Presse und Berichte · Presseartikel · Karl-Heinz und Helga im Kirchturm

Karl-Heinz und Helga im Kirchturm

Vogelfreunde warten nun ganz sehnsüchtig auf das vierte Ei im Nest der Wanderfalken

Die fast schon ausgestorbenen Wanderfalken haben in der Stadtkirche eine neue Heimat gefunden. Nun brütet das Paar den Nachwuchs aus. Zunächst kümmert sich das Weibchen um den Nachwuchs, später auch das Männchen.

Von Carmen Erlenbach

Zwischen 1960 und 1970 waren sie in Hessen ausgestorben. Nun sind sie zurückgekehrt und brüten sogar zum zweiten Mal in der evangelischen Stadtkirche: zwei Wanderfalken namens Karl-Heinz und Helga. 


Nachdem die Öffentlichkeit das Pärchen und seine Jungen bereits im vergangenen Jahr von öffentlichen Plätzen aus intensiv und ausdauernd beobachtet hatte, ist nun eine Webcam eingerichtet worden, die jedermann spektakuläre Einblicke in den Nistkasten erlaubt. Die Anregung dazu stammt von Bernhard Hormann, Mitglied des Kirchenvorstands.

Eingerichtet wurde die Webcam von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt in Kooperation mit dem Nabu Worfelden. Die Kamera, die alle zwölf Sekunden ein neues Bild ins Netz schickt, ist hessenweit die einzige, die hautnahe Einblicke in das derzeitige Brutgeschehen und in den kommenden etwa zehn Wochen auch in die Aufzucht der Jungen bietet.

Blicke in den Nistkasten bieten auch die Internetseiten http://nabu.worfelden.de und http://www.stadtkirche-gross-gerau.de.

Laut Bernd Petri, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes, hatten Wanderfalken bereits in vergangenen Jahren in der inzwischen abgerissenen Zuckerfabrik in Groß-Gerau genistet. Nachdem die evangelische Kirche ihren Turm der Tauben wegen oben herum dicht gemacht hatte, kam vor drei Jahren die vom Nabu unterstützte Idee auf, ihn für andere Vögel zugänglich zu machen, um an die Bewahrung der Schöpfung zu erinnern.

Fraport spendierte den Nistkasten, der in den ersten beiden Jahren von Turmfalken besiedelt worden war. Im vorigen Jahr wurden sie von den wesentlich größeren Wanderfalken aus ihrem Domizil vertrieben, die schließlich erfolgreich drei Junge großzogen. Die Turmfalken leben auch jetzt noch in dem Turm, allerdings ein Stockwerk tiefer und in ständiger Angst, dass ihre Jungen den Wanderfalken zum Opfer fallen könnten.

Die lauten Wanderfalken als schnellste Vögel der Welt haben nach dem Auszug aus der ehemaligen Zuckerfabrik nun ein neues Zuhause gefunden. Derzeit befinden sich drei Eier im Nest. Laut Petri ist nicht ausgeschlossen, dass Helga in den nächsten ein bis zwei Tagen noch ein viertes Ei legt.

Schnabelgerechte Stücke

In etwa vier Wochen beginne das spannende Warten auf das Schlüpfen des ersten Jungen. Dann sei zu beobachten, wie zunächst das Weibchen die Jungen füttere, denn nur sie kann die Beute in schnabelgerechte Stückchen portionieren. Sind die Jungen größer, füttert auch das Männchen Karl-Heinz, das die Beute im Stück serviert und das Zerteilen dem Nachwuchs überlässt.

Inzwischen befindet sich der Bestand von Wanderfalken mit etwa 130 Paaren laut Petri wieder auf dem Stand von 1950, von denen im vorigen Jahr jedoch nur 70 Paare erfolgreich brüteten. Im Kreis Groß-Gerau sind Wanderfalken derzeit in der Malzfabrik in Gernsheim, an der Werksbrücke des Industrieparks Höchst und im Opelturm in Rüsselsheim zu finden.

Wanderfalken brüten laut Petri sehr früh, weil die Aufzucht ihrer Jungen und der dann erhöhte Futterbedarf genau in die Zeit des Hauptvogelzuges fällt, aus dem sie kranke, schwache und orientierungslose Tiere für ihren Speiseteller selektieren.

Angereichert wird er auch um Amseln, Drosseln, Stare und Krähen, die im Sturzflug bei Geschwindigkeiten zwischen 250 und 300 Kilometern pro Stunde geschlagen werden.

(Frankfurter Neue Presse, 18. März 2011)


29.03.2011. 10:39

Online spenden
Mitglied werden

NABU Regional

NABU Regional

Zentren
Schutzgebiete
Gruppen