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Das gibt es nicht im Supermarkt

WORFELDEN - Vereine - 14 Hobbykelterer stellen sich einer Blindverkostung und küren Michael Wagner zum neuen Apfelweinkönig

89 Michael Wagner ist neuer Büttelborner Apfelweinkönig. Beim Apfelwein-Tasting des Obst- und Gartenbauvereins überzeugte er in der Kategorie "Wiesenmischung", der Königsklasse der Apfelweinerzeuger.

Mal schimmerte er im satten goldgelben Farbton im Gerippten, dem typischen Apfelweinglas, mal war das Stöffsche von heller und klarer, mal von trüberer Natur. 20 verschiedene Apfelweine wurden am Samstagabend von 14 Kelterern bei einer Blindverkostung auf Einladung des Worfelder Obst- und Gartenbauvereins auf ihre Qualität geprüft.

Nachdem Michael Wagner, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, 2013 die Idee hatte, Hobby-Apfelweinhersteller zu einem Wettbewerb um das süffige Getränk einzuladen und Rolf Klink im Februar vergangenen Jahres zum ersten Apfelweinkönig gekürt wurde, galt es am Samstagabend erneut, den Hersteller des besten Stöffchens des Jahrgangs 2014 mit typisch fruchtigem Apfelaroma zu ermitteln.

Anonymisierte Proben aus Wasserflaschen
Anonymisiert in Mineralwasserflaschen gefüllt, die mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination beschriftet waren, kannte nur Michael Wagner als Moderator die Erzeuger. Eingeteilt in die Kategorien "Wiesenmischung", "Sortenrein" und "Besonderheiten", beleuchteten die Kelterer 20 verschiedene Proben nach Kriterien wie Geruch, Optik, Kohlensäure, Säure und Gesamtgeschmack. Die Bewertung erfolgte im Schulnotensystem, doch zuvor überprüften die Konkurrenten ihre Gläser mit dem hessischen Nationalgetränk auf Klarheit, rochen und kosteten, ob der Apfelwein herb oder fruchtig mundet, eine Schwefelnote hat oder gar einen Essigstich.

"Das gibt es nicht im Supermarkt zu kaufen", lobte Sebastian Götz eine der Proben, wobei später weder er noch seine Mitbewerber in der Lage waren, ihr eigenes Produkt zu erraten. Nach der Auswertung der Beurteilungsbögen durch Sebastian Götz und Torsten Preisler stand fest: Michael Wagners Wiesenmischung, in der die Sorten Ontario, Roter Boskoop, Brettacher, Winterrambour und Hauxapfel verarbeitet wurden, ist die beste. Platz zwei erreichten Torsten Preisler und Berti Hampl, Platz drei Klaus Peter Scheuermann.

In der Kategorie Sortenrein gewann Robert Kehl vor Michael Wagner, der die Plätze zwei und drei belegte. Robert Kehl setzte sich auch in der Kategorie Besonderheiten mit einem Apfel-Johannisbeer-Wein an die Spitze, vor Rolf Klink mit seinem Apfel-Holunder-Wein.

Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU) gratulierte dem neuen Apfelweinkönig und überreichte ihm einen Gutschein für einen Apfelbaum der Sorte Anhalter. Zwei Hochstämme derselben Sorte erhielt Robert Kehl als Präsent vom Obst- und Gartenbauverein. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Anbau von alten Sorten zu fördern", sagte Michael Wagner. Der "Anhalter" sei die hessische Lokalsorte des Jahres 2015. Die alte Obstsorte stamme aus dem Taunus, der Wetterau und dem Rhein-Main-Gebiet und stehe auf Rang drei der gefährdeten Sorten, so Wagner. Der Vereinsvorsitzende ging nicht nur mit seiner Wiesenmischung ins Rennen, er überzeugte auch mit "Rotem Boskoop" und "Kaiser Wilhelm" bei den sortenreinen Erzeugnissen. Bei den Wiesenmischungen komme es auf einen gelungenen Mix mit acht bis zehn verschiedenen Sorten an, erklärte Vorjahressieger Rolf Klink. Er keltere nur etwa 30 Liter zum Eigenverbrauch und treffe sich gern mit Freunden zum "Schoppepetze".

70 Liter kelterte Harald Lutz, Vorsitzender des Nabu-Ortsvereins Worfelden, auf der vereinseigenen Streuobstwiese von Renetten, Goldparmänen, Berlepsch und Boskoop. "Das meiste verkaufen wir beim Saukopfessen", informierte Lutz. Zum dritten Mal wagte sich Klaus Peter Scheuermann, Vorsitzender des Büttelborner Obst- und Gartenbauvereins, an die Apfelweinherstellung. Da Spätfröste die eigene Ernte reduzierten, musste er im Ried Nachschub holen. Das eigene Erzeugnis werde er bei Geburtstagen ausschenken, verriet Scheuermann, der sich zudem freute, mit den Vereinsmitgliedern aus Worfelden ins Gespräch zu kommen.

"Dass die Vereine kommunizieren, gefällt mir gut. Das ist ein Event für alle", befand auch der Bürgermeister.

(lo, Groß-Gerauer Echo, 19.1. 2015)

21.01.2015. 14:38

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