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Bewegung ist schnell gewachsen

Büttelborn 21 - Einer gibt den Anstoß zum Protest, und schon entsteht eine schlagkräftige Bürgerinitiative

Für ihr Engagement bei der Verhinderung einer Bodenbearbeitungsanlage auf dem Gelände der Kreismülldeponie in Büttelborn wurde die Bürgerinitiative "Büttelborn 21" mit dem Deutschen Bürgerpreis in der Kategorie "Alltagshelden" gewürdigt.


BÜTTELBORN.

"Da müsste man doch etwas tun", dachte sich Gerlind Hanus, als sie Mitte Mai 2011 durch einen ECHO-Artikel vom geplanten Bau einer Bodenbehandlungsanlage der Firma Baustoffaufbereitung K & S (BKS) erfuhr. Dass darin gefährliche Böden, Schlämme, Filterstäube und Aschen gelagert und behandelt werden sollten, schreckte auch ihren Ehemann Armin Hanus auf, der daraufhin in einem Leserbrief auf das hohe Gefährdungspotenzial durch den Giftmüll aufmerksam machte, zu Einwendungen aufrief und darüber hinaus monierte, dass die Bevölkerung nur unzureichend Über das Vorhaben informiert worden sei. Dieser Leserbrief brachte eine in Büttelborn noch nie da gewesene Bewegung ins Rollen, die schon im August 2011 den Bau der Anlage verhinderte.

"Nach dem Leserbrief habe ich zahlreiche ermutigende Anrufe bekommen", erinnert sich Armin Hanus. Schnell formierte sich mit Bernd Petri (Nabu), Maria Eiden-Steinhoff (BUND), Ralf Klink (Landwirt), Michael Herrlich (Gewerbeverein) und Burkhard Lusky (Pfarrer) um Hanus ein Kompetenzteam zur Verhinderung der Anlage. Dem Kernteam schlossen sich später mit Jörg Lowin, Jamal Khan, Mirko Emde, Jürgen Sulzmann sowie Regina und Wilhelm Bopp weitere aktive Mitstreiter an.

"Ich möchte meine Lebensqualität nicht noch weiter eingeschränkt bekommen", nennt Hanus seine Motivation, eine Behandlungsanlage für gefährliche Böden direkt im "Büttelborner Vorgarten" zu verhindern. Rund 3000 Flyer wurden verteilt und die Bürgerinitiative (BI) Büttelborn 21 gegründet, der mehr als 300 Bürger beitraten. Schon Ende Mai 2011 gab es mehr als 500 Einwendungen besorgter Bürger und Institutionen.

Inzwischen forderte auch Landrat Thomas Will (SPD) von der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium Darmstadt, einen Erörterungstermin. Bei einer Informationsveranstaltung im Volkshaus protestierten rund 400 Bürger gegen den Bau der Anlage. "Obwohl es schon eine Minute vor 12 Uhr war, gelang es uns doch, viele Menschen zu überzeugen, formelle Einwendungen einzureichen", sagt Armin Hanus. Insgesamt wehrten sich 700 Einwender gegen das Projekt, und im Kreis Groß-Gerau wurde der Umwelt- und Bürgerbeirat Abfallwirtschaft gebildet.

Nach vielen Gesprächen und Initiativen auf politischer Ebene zeichnete sich im Juli eine einvernehmliche Lösung ab, und am 30. September 2011 wurde der Rückkauf des Geländes durch die Riedwerke in deren Verbandsversammlung beschlossen.

Ohne das Eingreifen des Landrats hätte es wohl kaum eine Chance gegeben, nach einem abgeschlossenen Genehmigungsverfahren eine solche Wendung zu erreichen, ist sich Bernd Petri sicher. Der Nabu-Vertreter brachte sein Fachwissen in die BI ebenso ein wie Chemieingenieur Jörg Lowin oder Kommunikator Jamal Khan. Armin Hanus, der inzwischen für die Gemeinde Büttelborn ehrenamtlich im Aufsichtsrat der Riedwerke sitzt, betont: "Wir kämpften gegen die Sache, nie gegen Personen." Sein Dank gilt den Mitstreitern ebenso wie den Büttelborner Bürgern, die den Protest so engagiert unterstützten.

"Eigentlich könnten wir uns nach diesem Erfolg zur Ruhe setzen", sagt Armin Hanus, um bereits im nächsten Atemzug an die Zukunft zu denken. Mit dem Bürgerbeirat sei eine nachhaltige Institution geschaffen worden. Jetzt gelte es, das nächste Projekt kritisch zu begleiten: Die geplante Oberflächenabdichtung der Deponie. Hanus bezeichnet die Abdichtung als Fundament für deren langfristige Zukunft. "Wir sprechen hier von den nächsten 100 Jahren2, verdeutlicht der BI-Sprecher die Dimension.

"Wir haben der Natur so viel genommen, mit der Oberflächengestaltung wollen wir ihr wieder ein Stück zurückgeben." Konkret geht es um Fragen der Landschaftsgestaltung nach dem Beginn und während der Stilllegungs- und Nachsorgephasen. Hanus und seine Mitstreiter werden daher schon jetzt ganz genau hinsehen, wenn die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

28.11.2013. 20:11

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